Wer einmal in der Landeshauptstadt Thüringens war, kommt so schnell nicht wieder von ihr los. Die historische und zugleich moderne Stadt überrascht mit einer beeindruckenden Geschichte und ist eine der charmantesten und lebenswertesten Städte Deutschlands. Komm mit auf eine Reise durch die Gegenwart und die Geschichte der Stadt Erfurt.

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Erfurt ist mit über 200.000 Einwohnern die größte Stadt Thüringens und bildet das wirtschaftliche, geistige, kulturelle und politische Zentrum des Freistaats. 742 erstmals erwähnt, überrascht die historische und zugleich moderne Stadt mit einer beeindruckenden Geschichte. Im mittelalterlichen Stadtkern kann man so einiges entdecken. Die verwinkelten Gassen und Plätze der Altstadt versprühen ein mediterranes Flair. Cafés, Biergärten und Restaurants laden zum Entspannen ein.

Domberg und Domplatz

Im Mittelalter wurde Erfurt gerne als „Thüringisches Rom“ oder „Erfordia turrita – türmereiches Erfurt“ bezeichnet. Das lässt sich auf die insgesamt 38 Kirchengebäude in der Stadt zurückführen, von denen heute noch 27 vorhanden sind. Zwei dieser Kirchen stehen sogar direkt nebeneinander und sind obendrein auch beide katholisch. Das Ensemble von Mariendom und St. Severikirche ist weithin sichtbar und damit auch das Wahrzeichen der Stadt. Der Mariendom beherbergt die Gloriosa, die größte freischwingende Mittelalterliche Glocke der Welt. Der Domplatz ist der älteste Platz Erfurts. Die Erfurter feiern auf diesem großen Platz ihr Frühlings- und Oktoberfest, Martini und im Winter einen der schönsten Weihnachtsmärkte Deutschlands. Restaurants, Eisdielen und Cafés in wunderschönen Fachwerkhäusern beleben den Platz. Der Aufstieg auf den Domberg über die 70 Stufen lohnt sich. Bewundern Sie die beiden Kirchen doch einmal von innen.

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Nun begeben wir uns ein paar Meter über die Stadt. Von der sternförmig gebauten Festung, der Zitadelle Petersberg, hat man heute einen wunderbaren Blick über die Altstadt. Diese barocke Stadtfestung ist die einzige weitgehend erhaltene in ganz Mitteleuropa. Sie befindet sich auf dem Gelände eines früheren Benediktinerklosters und ist auf die kurmainzische Herrschaft in Erfurt zurückzuführen und ein Spiegelbild der europäischen Festungsbaukunst. Dieser Zeit ist auch das Rad im Erfurter Wappen entlehnt, welches in der wärmeren Jahreszeit am Fuße der Festung erblüht. Die Mainzer wollten sich von der Festung aus gegen die Stadt Erfurt verteidigen. Die geheimnisvollen, unterirdischen Horchgänge können bei einer Führung erkundet werden.

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Nun sind wir auf einem der bemerkenswertesten Plätze der Stadt angelangt, dem Fischmarkt. Hier befindet sich das neugotische Rathaus aus dem 19. Jahrhundert. Das alte Rathaus aus dem 13. Jahrhundert, welches bis 1865 abgerissen wurde, stand an gleicher Stelle. Im Rathaus befindet sich ein großer Festsaal mit großen Historienbildern zur Stadtgeschichte. In der Mitte des Fischmarktes befindet sich der Stadtheilige St. Martin. Dieser erinnert nicht ganz ungewollt an einen Roland. Nehmen Sie sich Zeit und bestaunen Sie die beeindruckenden Renaissance-Gebäude, z.B. das Haus zum breiten Herd, als Zeugen einer reichen und stolzen Geschichte. Im Haus zum roten Ochsen finden Sie heute die Kunsthalle mit wechselnden Ausstellungen.

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Die Krämerbrücke war einst Teil der Königlichen Straße, der Via Regia. Sie ist eines der beeindruckendsten Wahrzeichen von Erfurt. Auf der längsten durchgehend mit Häusern bebauten und bewohnten Brücke Europas boten schon im Mittelalter Händler ihre Waren feil. Sie wurde zunächst aus Holz und 1325 aufgrund mehrerer Brände, nach denen sie immer wieder neu aufgebaut werden musste, aus Stein errichtet. Die Lebendigkeit früherer Zeiten ist dank der vielen kleinen Geschäfte, Cafés und Galerien auch heute noch spürbar. Vom Turm der Ägidienkirche hat man einen wunderbaren Blick auf die Brücke und das Treiben am Fluss Gera.

Mikwe

Nördlich hinter der Krämerbrücke hat man nicht nur einen guten Blick auf die Brücke selbst sondern befindet sich hier, direkt am Ufer der Gera, auch die Mikwe, das rituelle Bad der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde. Dieses entstand Mitte des 13. Jahrhunderts und wurde mit lebendigem Wasser gespeist. Vermutlich wurde die Mikwe auch nach dem Pogrom von 1349 bis zum Stadtbrand von 1472 weitergenutzt. Die Mikwe wurde 2007 zufällig bei Grabungsarbeiten entdeckt. Das Tauchbecken ist über ein Fenster in der Decke des Schutzbaus jederzeit einsehbar. Zugänglich ist die Mikwe nur im Rahmen einer Führung. Neben der alten Synagoge ist die Mikwe als Baudenkmal Bestandteil der Bewerbung Erfurts zum UNESCO-Weltkulturerbe.

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Die Alte Synagoge in der Waagegasse gehört zu den wenigen erhaltenen Synagogen und ist die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge Europas. Der älteste nachgewiesene der vier Bauabschnitte lässt sich um 1100 datieren. Um 1270 wurde die Synagoge deutlich erhöht. Dabei wurde ein Mauerstück von 1100 mit dem romanischen Zwillingsfenster, dem Biforium, integriert. Nach dem Pogrom von 1349 diente die Alte Synagoge als Speicher. Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nutzte man das Gebäude gastronomisch bis es 1988 als Synagoge wiederentdeckt wurde. Bis 2009 wurde es restauriert. Es ist Zeugnis einer der wichtigsten jüdischen Gemeinden des Mittelalters. In der Alten Synagoge Erfurt werden Belege mittelalterlicher jüdischer Kultur Erfurts präsentiert. Werfen Sie doch einen Blick vom angrenzenden Parkplatz auf die Fassade des Gebäudes.

Schatz

Im Keller der Alten Synagoge ist der Erfurter Schatz, ein 1998 in unmittelbarer Nähe der Synagoge geborgener gotischer Schatzfund aus dem 13./14. Jahrhundert, zu sehen. Dieser Schatz wurde 1998 nach archäologischen Untersuchungen in unmittelbarer Nachbarschaft der Synagoge auf dem Grundstück Michaelisstraße 43/44 entdeckt. Er war unter der Mauer eines Kellerzugangs eingegraben. Er ist in Art und Umfang mit 3.141 Silbermünzen, 14 Silberbarren sowie über 700 gotischen Schmuckstücken und Silbergeschirr einzigartig. Er hat ein Gesamtgewicht von 28 Kilogramm. Besonders beeindruckend ist der filigrane jüdische Hochzeitsring, einer von nur drei erhaltenen mittelalterlichen Exemplaren weltweit! Der Schatz wurde in New York, London und Paris ausgestellt, ehe er nach Erfurt zurückkehrte.

Collegium maius

Das Collegium maius war das Hauptgebäude der Alten Universität, die von 1329 bis 1816 bestand. Es wurde von 1511 bis 1515 als spätgotischer Profanbau errichtet und 1681 im Stil der Renaissance umgebaut. Es steht im ehemaligen lateinischen Viertel. Die Gründung der Universität geht auf das Gründungsprivileg aus dem Jahr 1379 zurück. Damit repräsentierte das Collegium maius die älteste Universität in Deutschland, deren wohl berühmtester Student Martin Luther war. Nach ihrer großen Bedeutung im 15. und 16. Jahrhundert erfuhr die Alte Universität einen Rückgang bedingt durch weitere Universitätsgründungen. 1945 wurde das Gebäude zerstört. Inzwischen wieder vollständig rekonstruiert, beheimatet das Collegium maius heute die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland. Besonders interessant ist das Kielbogenportal mit beidseitigen Vorhangbogenfenstern.

Evangelisches Augustinerkloster

Die Augustiner Eremiten sind seit 1266 in Erfurt nachweisbar und bauten das Augustinerkloster ab 1277 bis Mitte des 14. Jahrhunderts. Anfang des 16. Jahrhunderts kamen noch eine Bibliothek und Waidhäuser dazu, die hier ehemals standen. Martin Luther trat am 17. Juli 1505 durch die noch vorhandene Pforte in das Kloster, um Mönch zu werden. Dem Reformator wird heute mit einer Dauerausstellung gedacht. Seit 1988 dient das Kloster als ökumenisches Tagungszentrum und Herberge für den ökumenischen Pilgerweg. Im September 2011 traf sich Papst Benedikt XVI. mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland in dieser Luthergedenkstätte zum Gespräch.

Lutherdenkmal

Direkt vor der Kaufmannskirche steht das Lutherdenkmal von Fritz Schaper aus dem Jahr 1883 zum 400. Geburtstag Luthers. Die Reliefplatten stellen seine Erfurter Zeit dar, wie er in das Kloster eintritt und von der Alten Universität am 6. April 1521 empfangen wird. Erfurt wurde für den jungen Luther zur geistigen Heimat. 1505 erlangte er an der Universität die Magisterwürde der philosophischen Fakultät. Anschließend war er bis 1511 Mönch im Augustinerkloster. Im Erfurter Dom wurde Martin Luther zum Priester geweiht. Auch später kehrte er immer wieder nach Erfurt zurück und predigte hier vor begeisterten Menschen. Alljährlich am 10. November feiert Erfurt mit dem „Martinsfest“ auf dem Domplatz Luthers Geburtstag und gedenkt gleichzeitig des Heiligen Martin.

Anger

Zwischen Dom und Hauptbahnhof befindet sich der Anger. War der knapp 20.000 Quadratmeter große Platz einst der Handelsplatz für Färberwaid, der Erfurt im Mittelalter großen Reichtum brachte, Wein, Wolle und Weizen, ist er heute die Hauptgeschäftsstraße von Erfurt und ein wahres Paradies für einkaufsbegeisterte Menschen. Die Einkaufsgalerie Anger 1, deren Äußeres mit einer edlen Jugendstilfassade beeindruckt, die großen Warenhäuser sowie internationale Filialisten und gut sortierte Fachgeschäfte erfüllen alle großen und kleinen Wünsche. Vom Anger aus erreichen Sie in kurzer Zeit das Angermuseum mit mittelalterlicher Kunst und das Stadtmuseum in der Johannesstraße mit verschiedenen Sammlungen und Sonderausstellungen. Die Brunnen an beiden Seiten des Angers bieten das passende Ambiente für kurze Pausen.

Bartholomäusturm

Der Bartholomäusturm am Anger 52 ist der noch existierende Teil der ehemaligen Bartholomäuskirche, die, erstmals 1182 erwähnt, zu den ältesten Kirchen der Stadt gehörte. Nach dem Stadtbrand von 1291 wurde sie als eine der bedeutendsten Pfarrkirchen der Stadt mit 12 Altären wieder aufgebaut. Der ursprüngliche Turm aus dem 13. Jahrhundert wurde vom Feuer zerstört, so dass ein neuer Turmbau 1412 begann. 7 Jahre nach einem weiteren Stadtbrand von 1660 wurde die Kirche abgebrochen. Reste einer Kapelle von 1374 sind im Turn noch vorhanden. Heute kann man täglich um 10 Uhr, 12 Uhr und 18 Uhr dem Glockenspiel lauschen, das 1979 eingeweiht wurde. Es besteht aus 60 Glocken, von denen die größte 2393 kg und die kleinste 20 kg wiegt.

Thüringer Staatskanzlei

Das barocke Palais der Kurmainzischen Statthalterei, der heutigen Thüringer Staatskanzlei, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts nach Plänen des Baumeisters Maximilian von Welsch errichtet. Lange Zeit wurden in diesem Haus die Geschicke der Stadt entschieden. Das Haus wurde berühmt durch Karl Theodor von Dalberg, Statthalter von 1771 bis 1802. Goethe, Schiller, Herder, Wieland und Wilhelm von Humboldt waren hier wiederholt Gäste. Rund um den Fürstenkongress fand hier im Oktober 1808 ein Treffen Goethes mit Napoleon statt. Heute hat die Thüringer Staatskanzlei und damit der Ministerpräsident seinen Sitz in diesem Gebäude. Besonders sehenswert sind der Festsaal mit einem Deckenfresko um 1720 und das Treppenhaus.

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Gelegen zwischen Dom und Petersberg befindet sich der Neubau des Theaters Erfurt, der im Jahr 2003 eröffnet wurde und zu den modernsten Spielstätten Europas zählt. Das Programm des Theaters konzentriert sich auf ein breites Musiktheater- und Konzertangebot auf der Großen Bühne mit 800 Plätzen sowie der Studiobühne mit 200 Plätzen. Bespielt wird es vom zum Theater gehörenden Philharmonischen Orchester Erfurt. Das Opernhaus der thüringischen Landeshauptstadt liegt nur einen Steinwurf vom Domberg entfernt, dessen Stufen jeden Sommer zur Spielstätte des Theaterensembles werden. Dann begeistern die DomStufen-Festspiele Gäste aus Nah und Fern. Ausgesprochen sehenswert sind nicht nur die Inszenierungen des Theaters Erfurt, sonder auch der Neubau selbst.

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